Studienweblog zum Thema Filmpromotion und PR im Zeitalter von Web 2.0. Neue Trends in der modernen Filmkommunikation
Friday, July 03, 2009
Ein besonderer Filmflyer
Die meisten Fallbeispiele, die ich in diesem Blog beschreibe, kommen aus digitalen Medien. Manchmal bemerke ich aber auch die eine oder andere Werbung oder Promotion-Aktion im analogen Raum. Gestern war ich bei der Premiere von 9 to 5: Days in Porn im Berliner Kino Central. Die Dokumentation über den Alltag und das Leben von Menschen, die im Pornobusiness arbeiten, verdient definitiv das Prädikat wertvoll! Eine nähere Betrachtung des Films sowie zu den ungewöhnlichen Marketingmaßnahmen werde ich mir bald hier vornehmen!
Im Kino lagen gestern auch jede Menge Flyer für diverse Filme aus. Einer stach dabei aus der Menge hervor. Der Film The Wrestler mit Mickey Rourke ist zwar bereits etwas älter, aber dennoch wird er nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er einfach gut beim Publikum ankommt, immer noch gespielt.
Der Flyer zum Film ist gestaltet wie eine Eintrittskarte zu einer Wrestlingveranstaltung, bei der die fiktive Ikone Randy "The Ram" Robinson zu einem seiner legendären Auftritte lädt! Sehr einfache Idee, die aber trotzdem ins Auge sticht!
Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber trotzdem möchte ich darauf hinweisen. Gerade habe ich bei einer meiner unregelmäßig stattfindenden "Trailer-Ansehen-Session" die Vorschau zu einem neuen Horror-Trashfilm mit dem Titel Zombieland gesehen.
Sieht ganz lustig aber nicht wirklich ansprechend aus, die Qualität des Films soll hier allerdings nicht im Mittelpunkt stehen. Das wirklich interessante an dem Trailer kommt ganz zum Schluss.
Da wird nämlich auf den Twitteraccount zum Film hingewiesen. Normalerweise steht meines Wissens nach die Website zum Film immer am Ende des Trailers. Hier sieht man nun, welchen Stellenwert Twitter mittlerweile zu haben scheint.
Damals wurde im Teaser zu Roland Emmerichs Endzeitfilm 2012 auf den Wikipedia-Eintrag zu dem Jahr hingewiesen, in dem angeblich die Welt untergehen soll. Wie durch Zufall steht auf dieser Seite dann auch der Hinweis auf den Film ;-)
Es gibt vier Dinge, die derzeit im Film Marketing groß sind: Augmented Reality, Alternate Reality Games, Twitter und Facebook (Connect).
Besonders in den USA entwickeln die Studios derzeit mehr oder weniger tolle Ideen, die auf diese Technologien und Kanäle zugreifen und diese auf mal kreative, mal weniger kreative Weise kombinieren.
Für den neuen Film Public Enemies (nicht zu verwechseln mit dem kurz zuvor gestarteten französischen Zweiteiler L'ennemi public n°1 - englischer Titel Public Enemy No. 1), das Biopic über den legendären Bankräuber John Dillinger, hat Universal ein Spiel gestartet, das Twitter und Facebook Connect sehr intelligent und trotzdem einfach nutzt. Um das Game zu starten und um seine Freunde über den Ausgang des Spiels zu informieren wird lediglich ein Facebook-Account und optional auch ein Twitter-Account nötig.
Auf der Spielseite www.bankraids.com loggt man sich mit seinem Facebook Profil an und registriert sich somit für das Spiel.
Nachdem man in dem ca. 3 Minuten dauernden Casual Game die eine oder andere Bank virtuell ausgeraubt hat, kann man seinen Spielstand über diverse Kanäle, zu denen auch Twitter zählt, verbreiten.
Auch das funktioniert sehr einfach, denn ein vorgefertigter Tweet (in meinem Fall: I've been shot by the police. #bankraidswww.bankraids.com) der auch den Hashtag #bankraids beinhaltet, wird nach dem Login mit den Twitter-Daten abgeschickt, wodurch die Aktion für Universal messbar wird.
Ohne Anmeldung kann man die Message auch auf seiner Facebook Wall veröffentlichen. Dazu ist keine weitere Anmeldung nötig, da man ja bereits vor dem Spiel Facebook Connect genutzt hat, um überhaupt spielen zu können.
Noch vor einigen Monaten war es für Promotion-Spiele wie Bank Raids sehr schwer erfolgreich zu sein, da man immer eine eigene Benutzerverwaltung brauchte und die wenigsten Spieler Lust hatten, sich bei jedem neuen Spiel einen Account anzulegen. Dank Twitter und Facebook gehört dieses Hindernis der Vergangenheit an und der virale Charakter bzw. die viralen Möglichkeiten eines solchen Spiels werden um einiges erhöht.
Ich bin mir daher sicher, dass sich solche Casual Games die auf den Single-Sign-On Charakter setzen schon in naher Zukunft, Standard bei jeder spielerischen Filmmarketing-Kampagne sein werden .
Bereits bei der IFA 2006 wurden die ersten Digitalen Bilderrahmen vorgestellt und das Thema 3D im Home Entertainment kam auf. Damals hatte ich die Idee, wie cool es wäre, wenn man ein Foto in 3D betrachten könnte.
Mit dem neuen Tool Photoshaper von Shapeways kann man nun auf leichte Weise seine Fotos als 3D-Kunstwerke drucken lassen. Damit hat man zwar keine digitale Version des Bildes vor sich, aber zum Start reicht finde ich diese Lösung auch aus. Um an seinen persönlichen 3D-Ausdruck zu kommen, lädt man einfach ein Foto bei Shapeways hoch und erhält es dann als Relief per Post zugeschickt. Wesentliche Grundlage für die Tiefen des 3D-Objekts sind die Kontraste des Original-Fotos. Besonders zur Geltung kommt der 3D-Abdruck vor einem LED-Licht. Um das beste Ergebnis zu erzielen, bietet es sich daher an, keine Handyfotos hochzuladen, sondern hochaufgelöste Bilder, die mit einer Digitalkamera (mein persönlicher Tipp ist die Spiegelreflexkamera von SONY Alpha 200 für Einsteiger - nutze ich selbst) aufgenommen wurden zu nutzen.
Denkbare Erweiterungen des Tools sind Magazine, Bildbände und Kunstbücher, deren auf Papier gedruckte Bilder auf diese Weise ganz neu erfahrbar wären. Ein weiterer interessanter Einsatzbereich ist Merchandising, da besonders Comicverfilmungen immer wieder über den Verkauf von Spielfiguren sehr hohe Einnahmen generieren, die einen Ausfall an der Kinokasse durchaus kompensieren können. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist Star Wars bzw. die Merchandising-Industrie, die George Lucas damit aufgebaut hat.
Nachdem Volvo vor etwa zwei Jahren Social Cinegaming betrieb und in 13 Kinosälen ein Auto vom Publikum steuern ließ, setzt O2 nun eines drauf uns lädt das Kinopublikum erneut zum Spielen ein, diesmal in 3D.
Der große Hype an 3D Filmen, die in diesem Jahr starten, hat auch dazu geführt, dass immer mehr Kinos mit digitalen Projektionssystemen ausgestattet werden, die dann auch 3D-Filme präsentieren können!
O2 wird nun in 20 Kinos in Großbritannien zu den Filmen Ice Age 3, G-Force, Up und Toy Story 3D jeweils im Werbeblock das Spiel Asteroid Storm lancieren. Darin müssen die Zuschauer aktiv werden und wie bereits bei Volvo kollektiv ein Gefährt (bei Volvo klarerweise ein Auto, hier nun ein Raumschiff) steuern.
In der offiziellen Meldung zur Aktion fand ich folgendes Zitat von Mike Hope-Milne, Enterprise Director, Pearl & Dean, sehr spannend: “Cinema is becoming so much more than purely a venue to watch films. Consumers want a complete interactive experience and the new 3D game from O2 offers cinema-goers the chance to become truly immersed in the action. Year-on-year we are seeing an increase in the popularity of 3D cinema with more 3D films than ever being made to meet the demand.”
Zuerst zum Animationsfilm. Der Spezialist für interaktive Outdoor-Umsetzungen Inwindow Outdoor hat in insgesamt sieben US-amerikanischen Städten eine Kampagne für Coraline in leeren Schaufenstern umgesetzt. Eingesetzt wurden dabei nicht nur holografische Displays, sondern auch Augmented-Reality-Anwendungen von Total Immersion sowie die interaktive Gestensteuerung von GestureTek. Den Passanten wurden auf dem digitalen Inwindow-Screen zum Beispiel virtuelle Knöpfe auf die Augen gerendert - ganz im Stil des Animationsfilms.
Auch sehr spannend ist der YouTube-Award von Warner Bros. zum neuen Harry Potter Film. Hier finde ich besonders spannend, dass der klassische YouTube-Video Award, wie er zu Beginnzeiten der Filmpromotion 2.0 vor etwa zweieinhalb Jahren häufig eingesetzt wurde, nun erweitert wird.
Auch bei dieser Aktion werden Fans von Harry Potter auf www.youtube.com/harrypotter dazu aufgefordert ihre Videos hochzuladen. Dabei sollte es sich jedoch um keine gewöhnlichen Videos handeln, sondern um Clips, die mit Augmented Reality Teilen angereichert sind.
Es werden Videos zum Thema "Advanced Potion-Making Experience" gesucht.
Den Marker dazu kann man sich hier als PDF downloaden. Hat man den Marker ausgedruckt und die Webcam aktiviert, ist der Kessel zu sehen und man kann mit der Aufnahme des Videos beginnen. Dazu muss ein Name für den Zaubertrank gefunden, die Zutaten müssen genau beschrieben werden und schließlich soll das Mixen genau gezeigt werden. Die unterschiedlichen Effekte erzielt man übrigens über das Drücken der verschiedenen Tasten auf dem Computer-Keyboard. Möge der Zauber beginnen!
Nachtrag: Das wirklich besondere an der Aktion ist die Tatsache, dass die Augmented Reality Software direkt auf YouTube eingebunden wurde und Warner clevererweise die von YouTube zur Verfügung gestellte Möglichkeit nutzt, Webcam Aufnahmen direkt als Video hochzuladen.
Für das Playstation-3-Spiel Infamous wurde eine Online-Kampagne konzipiert, bei der ein Flash-Banner mit Twitter verbunden wird: Als Twitter-nutzender Spieler kann man über den Microblogging-Dienst eine Nachricht an das Profil @infamousthegame mit dem Inhalt #evil oder #good schicken. Hat man das gemacht, wird auf den Banners entsprechend reagiert, indem eine Zombie-Figur entweder einen Stromschlag erhält oder wieder zum Leben erweckt wird.
Hier gibt es das Video der australischen Entwickler, die für dieses neuartige Werbeelement übrigens den sehr passenden Namen Twanner (Twitter Banner) entwickelt haben!
Auf der offiziellen Seite des Spiels konnten die Besucher vor dem Release des offiziellen Trailers zum Spiel Waffen und Schutzverkleidungen, die im Spiel vorkommen, in 3D anzeigen lassen. Das Besondere an dieser Aktion ist dabei die Interaktion mit einem realen menschlichen Körperteil, was leider in den Video hier nicht gut präsentiert wird - künftig könnte zum Beispiel Kleidung also ebenfalls am Computer anprobiert werden.
Der aktuelle Trailer ist fast noch spannender, da hier die Grenzen zwischen Realität und Fiktion tatsächlich zu verschmelzen scheinen.
Auf der Offiziellen Website zu Transformers: Revenge of the Fallen habe ich ein Fan Banner Tool getestet. Erinnert mich ein wenig an Sprout, nur mit dem Nachteil, dass man das gestaltet Werbeelement nicht weiter remixen kann. Wäre ein cooles Feature gewesen.
Der SproutMixer verfolgt einen neuen Ansatz in der Online-Werbung, der den Konsumenten aktiv an den Werbeanzeigen eines Unternehmens mitwirken lässt. Die User können mithilfe der Anwendung einzelne Elemente einer Werbeanzeige selbstständig verändern und so die Werbeanzeige nach ihrem Geschmack neu arrangieren. Im Anschluss kann die selbstdesignte Werbung dann an Freunde weitergegeben werden. Damit wird die Werbung dynamisch und die Kreativität der User wird aktiv in die Werbekampagne integriert.
Leider habe ich viel zu lange mit diesem Posting gewartet, denn mittlerweile ist die Aktion zu Ende.
Obwohl ich nicht mitgespielt habe, hier die kurze Beschreibung, worum es ging. Um den Film Crank: High Voltage zu promoten, hat die Agentur The Visionaire Group eine Kampagne gestartet, in der Facebook Connect im Mittelpunkt steht. Der Teilnehmer muss nach der Registrierung 14 Aufgaben lösen, um die Chance auf einen Gewinn von 1.000 Dollar zu haben. Die Aufgaben zielen darauf ab, seine Freunde zum Durchdrehen zu bringen. Das geschieht beispielsweise durch Fake-Posts, Fake-Tags und erfundene Statusmeldungen.
Leider weiß ich nicht, wie die Kampagne angenommen wurde. Das Potential für viele Mitspieler war aber definitiv gegeben, wenn man bedenkt, wie viele Facebook User es weltweit gibt, und wie erfolgreich der erste Teil dieses abgefahrenen und "kranken" Films war.
In letzter Zeit taucht Facebook mit Connect-Like Anwendungen immer häufiger in der Filmbranche auf. Ad Hoc fallen mir die Beispiele zu The Damned United und der Watchmen BD-Live Dienst ein. Gerade für virale Kampagnen eignet sich FB Connect sehr gut und auch für die Userbindung kann man das Social Network zum Einbauen super nutzen. Wer es gerne mal selbst testen möchte, kann es gerne auf www.i-love-dirt.com machen. Dort nutzen wir den Dienst seit dem Relaunch und sind sehr zufrieden damit.
Die Lösung für alle Kinobesucher mit schwacher Blase
Gerade haben mich meine Hamburger Kollegen von TrendONE auf eine neue Seite inklusive bald kommender iPhone App hingewiesen.
RunPee.com bietet für alle Kino- und Filmfans mit schwacher Blase eine Lösung. Nein, hier kann man keine Pinkelbecher bestellen, sondern der Betreiber der Seite beschreibt, an welcher Stelle aktueller Filme man für wie lange am besten pinkeln gehen kann. Dabei handelt es sich meist um Stellen, die man verpassen kann, ohne den roten Raden zu verlieren. Sollte man dennoch wissen wollen, was gerade geschehen ist, kann man das bei RunPee nachlesen.
Der Betreiber der Seite ist auch Filmfan und listet jeden gesehenen Film auf der Seite und kündigt auch seine neuen Projekte an. Da man ja nicht immer seinen Computer dabei hat, wird es schon bald auch eine App für das iPhone und den iPod Touch geben, die ich mir dann sicherlich als einer der ersten ziehen werde, da ich dann endlich wieder Bier im Kino trinken kann ;-)
Mit Augmented Reality verhält es sich derzeit wie mit Alternate Reality Gaming. Diese beiden Technologien bzw. Methoden erleben einen Boom im Filmmarketing.
Auf www.weareautobots.com können sich Fans des Films einen Client downloaden, der es bei aktivierter Webcam ermöglicht, zum Autobot zu werden. Möglich wird das durch die Software, die AR und Gesichtserkennung kombiniert!
Ein Video zeigt sehr gut, wie das ganze funktioniert!
Mein Name ist Norbert Hillinger. Ich bin mittlerweile 25 Jahre alt und komme aus Gmunden in Oberösterreich. Im Juli 2007 habe ich mein "Journalismus und Unternehmenskommunikation"-Studium an der FH JOANNEUM in Graz abgeschlossen. Seit September 2007 arbeite ich in Berlin bei der Agentur TrendONE als Trendforscher und Berater für die Bereiche Filmpromotion 2.0/3.0 und Future TV.
BUCHTIPPS Malcolm Gladwell schreibt in "Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können" über das Phänomen der Mundpropaganda und wie sie über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Patrick Vonderau und Vinzenz Hediger vereinen in Ihrem Sammelband "Demnächst in ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung" Aufsätze bekannter Filmvermarktungsexperten zum Thema Filmwerbung und Filmpromotion.
Holm Friebe und Sascha Lobo zeichnen in Ihrem Buch "Wir nennen es Arbeit" das Porträt der modernen Arbeitsgesellschaft und gehen dabei auch auf die Themen Social Media, Web 2.0 etc. ein.
Wired-Redakteur Chris Anderson schrieb "The Long Tail - Der lange Schwanz" bereits vor einigen Jahren. Jetzt gibt es den Klassiker auch auf deutsch.
Rick Levine, Christopher Locke, David Weinberger und Doc Searls schrieben "Das Cluetrain Manifest. 95 Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter" bereits lange Zeit vor Web 2.0. Doch erst jetzt werden die Thesen hochaktuell!
Robert Marich über "Marketing to Moviegoers" - Persönlich noch nicht gelesen aber bald
Daniela Kloocks Sammelband bietet interessante Beiträge u.a. von Thomas Elsaesser, Peter Glaser und Tom Tykwer zum Thema Zukunft Kino und Film-Gaming-Konvergenz
Don Tapscott über die Öknomie im Web 2.0 und ihre Öffnung dem User gegenüber - Wikinomics eben